Rosa Kempf

Dr. rer. pol. Rosa Kempf „Wer war Dr. rer. pol. Rosa Kempf? Ihre Biographie weist verschiedene Aspekte auf: Volksschullehrerin, Studentin in ‚reiferen Jahren‘, Nationalökonomin, Gründungsdirektorin des Frankfurter Frauenseminars für soziale Berufsarbeit, Mitglied der provisorischen bayerischen Nationalversammlung und kurze Zeit Landtagsabgeordnete für die Deutsche Volkspartei/DDP in Bayern, Dozentin für Volkswirtschaft und Autorin zahlreicher Aufsätze zu Frauenerwerbsarbeit und Frauenpolitik unter anderem im "Centralblatt des Bundes Deutscher Frauenvereine" (BDF), in der "Frauenbewegung", in der"Frau", der "Sozialen Praxis" und der "Hilfe". Rosa Kempf war eine interessante, widersprüchliche Persönlichkeit, die es noch zu entdecken gilt. Sie starb am 3. Februar 1948, wenige Tage vor ihrem 74. Geburtstag, in Darmstadt“, schreibt Elke Reining. 1 „Rosa Kempf selbst hatte sich zeitlebens an die Eindrücke ihrer Kindheit an die Wälder und Wiesenthäler der Heimat erinnert, obwohl sie als Erwachsene in den Großstädten München und Frankfurt/M. lebte und arbeitete. Auch ihr Frauenideal wurde durch frühe Erlebnisse bestimmt: Ich erinnere mich aus meiner Jugend mit Freuden der stolzen Bäuerinnen einer wirtschaftlich aufblühenden Gegend, die das berechtigte Selbstbewußtsein des Unternehmers verbanden mit der mütterlichen Sorge für das Wohlergehen für Mensch und Vieh, die auf dem Hofe ihrer Pflege anvertraut waren. Diese erlebte Verbindung von Mütterlichkeit mit selbstsicherer Lebenstüchtigkeit ließ in mir schon in der Kindheit ein anderes Frauenideal erstehen, als es in den gebildeten Kreisen gepflegt wird, und schon damals und noch jetzt erscheint mir der Bäuerin gegenüber das Los der Frauen meiner sozialen Klasse, wo die Frau mit Leib und Seele, auch mit der Betätigung ihrer Mütterlichkeit, vollständig von der moralischen und wirtschaftlichen Qualität ihres Gatten abhängt, als ein klägliches. Nicht das Leben ihrer – ausschließlich ehrenamtlich tätigen – Mutter, sondern das der weit selbständigeren Bäuerinnen wurden ihr zum Vorbild. So war sie sehr stolz auf ihre Unabhängigkeit und arbeitete für dieses Ziel ihr Leben lang. Die berufliche und damit wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen galten ihr immer als wichtigste Basis für eine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen.“ 2 1874, 8. Febr.: Rosa Kempf wurde als 3. von 4 Kindern des praktischen Arztes Dr. Jakob Kempf und dessen Ehefrau Emma, geb. Falciola, in Birnbach/Rottal geboren. 3 1 Reining Elke: Aspekte einer Biographie: Zur Erinnerung an Rosa Kempf. In: Zeitschrift für Sozialreform 1998, Jg. 44, Heft 1, S. 22. 2 Reining Elke: „Rosa Kempf, Lehrerin, Frauenrechtlerin, Politikerin und Bayerin“. In: Bad Birnbacher Heimatheft 1998, Band 8, S. 74. 3 Bad Birnbach, Pfarrmatrikel, Taufbuch, Eintrag 8.2.1874 ( matricula.de ).

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