Bad Birnbacher Kulturspatz

75 Geistliches Wort der August steht in Bayern ganz im Zeichen der Sommerferien. Als letzte Bundesländer bekommen wir traditionell zusammen mit Baden-Württemberg Ende Juli endlich Ferien und der ganze August ist frei. Und diese großen Ferien sind in meiner Erinnerung an die Schule eine Zeit der Unbeschwertheit gewesen. Sechs lange Wochen konnte ich einfach so in den Tag hineinleben, musste mir um nichts Gedanken machen, nicht in die Schule gehen, keine Hausaufgaben erledigen. Es fühlte sich an wie eine kleine Ewigkeit: das Ende ganz weit weg und außerhalb meiner Vorstellungskraft. Es war eine kleine Ewigkeit der Unbeschwertheit. Eine solche Unbeschwertheit erlebe ich in diesem Sommer erneut. Ganz viele Veranstaltungen und Feste finden nach zwei Jahren Pause wieder statt, Einweihungen und Eröffnungen werden nachgeholt. Liebe Leserin, lieber Leser, An manchen Tagen scheint mein Terminkalender fast zu platzen. Aber ich genieße all diese Feierlichkeiten. Ich genieße es, endlich wieder unbeschwert unter Menschen zu sein und mir keine Gedanken über Masken oder Hygienemaßnahmen machen zu müssen. Es ist wie eine kleine Ewigkeit der Unbeschwertheit. Man kann diese Einstellung kurzsichtig finden. Schließlich gehen sechs scheinbar endlose Wochen Sommerferien irgendwann vorbei, auch wenn man das als Schüler*in während der Ferien so gut wie möglich verdrängt. Und genauso mag nach diesem unbeschwerten Sommer ein Herbst mit neuen Einschränkungen kommen, sei es durch die Pandemie oder den Ukraine-Krieg und seine Folgen. Aber trotzdem scheint es mir wichtig, diese kleine Ewigkeit der Unbeschwertheit voll auszukosten. In der Bibel, im Buch Kohelet, gibt es eine Passage, die das eindrucksvoll zum Ausdruck bringt. Kohelet philosophiert über das Leben, über die Höhen und Tiefen, die zum Leben dazugehören, wieviel Arbeit und Sorge sie mit sich bringen. Und er kommt zu einem klaren Schluss: „So habe ich erkannt: Es gibt kein größeres Glück bei den Menschen, als sich zu freuen und sich’s gut gehen zu lassen. Jeder Mensch soll essen, trinken und glücklich sein als Ausgleich für seine ganze Arbeit. Denn auch dies ist eine Gabe Gottes.“ (Koh 3,12–13) Mir geben diese Worte momentan eine gute Orientierung. Denn sie zeigen mir, wie wichtig es ist, die schönen Seiten des Lebens zu genießen, wie wichtig so eine kleine Ewigkeit der Unbeschwertheit in den Sommerferien ist. In diesem Sinn: Genießen Sie Ihre Zeit in Bad Birnbach! Ihr Philipp Augustin Kurseelsorger und evangelischer Pfarrer Unbeschwertheit

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