Bad Birnbacher Kulturspatz

67 Geistliches Wort Ihr Arne Schnütgen Pfarrer Liebe Leserin, lieber Leser, Druckmittel auf seiner Seite: „Wir müssen noch Stoff machen.“ „Ich brauche noch Noten.“ Das hilft – zumindest ein bisschen. Aber spätestens in den ersten Juliwochen sind auch diese Argumente verbraucht. Notenschluss heißt das Zauberwort. Jetzt muss man nicht mehr müssen. Nur noch warten. Und während im Hintergrund Zeugnisse geschrieben, Abschlussfeiern geplant und das neue Schuljahr angedacht wird, herrscht in den Klassenzimmern eine eigenartige Zwischenzeit. Plötzlich ist Zeit für Dinge, die sonst unter den Tisch fallen. Projekttage, Wandertag und Sportfest geben ein wenig Struktur. Ansonsten: sortieren, aufräumen, softe Themen. (Nur Kollege X. macht Unterricht bis zum Schluss) Diese letzten Wochen vor den Sommerferien sind für mich immer etwas Besonderes. Das Schuljahr klingt aus. Aber die Ruhe vor dem letzten Schultag gibt eben noch mal Raum, auch mich zu sortieren: Was haben wir gemacht im letzten Jahr? Was will ich festhalten? Was versuchen nachzuholen? Wofür bin ich dankbar? Was tut mir leid? Die Chance steckt in jeder Wartezeit. Nicht nur vor den Schulferien, sondern immer da, wo es nicht sofort weitergeht. Wenn der Anschluss nicht klappt. Wenn der Stau sich nicht auflösen will. Oder die Restaurantküche überlastet ist. Nicht ärgern. Innehalten. Und sich auf das freuen, was kommt. Einen schönen Sommer wünscht Ihnen Warten auf die Ferien nach den Pfingstferien ist das Schuljahr eigentlich gelaufen – zumindest in der Einstellung vieler Schüler ist das so. Draußen herrscht Sommerwetter, Schwimmbad und Eisdielen locken und in den Schulbüchern arbeitet man eher in den hinteren Seiten. Was kann da noch groß kommen? Jedes Jahr ist das so. Und während andere Bundesländer schon fast in die Sommerpause starten, kehren wir in Bayern für eine letzte Schlusskurve in die Schule zurück. Aber es ist ja nicht mehr viel – denkt man. Dummerweise gibt es Schuljahre (so wie in diesem Jahr), in denen die Pfingstferien sehr früh beginnen. Das hängt mit dem Mond zusammen: Ostern ist immer der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling, also manchmal schon im März, manchmal erst Ende April. Pfingsten samt den entsprechenden Ferien ist dann sieben Wochen später. Und während sich in den Jahren mit den späten Pfingstferien ein anderes Problem stellt (nämlich wie man all die Sommerfeste in nur vier Wochen unterbringt), bedeutet ein frühes Datum: Wir müssen noch ganz schön lange warten. Warten. Können Sie gut warten? In vielen Bereichen unseres Lebens ist das Warten ja quasi abgeschafft. Erdbeersaison? Im Supermarkt ist sie das ganze Jahr. Meine Online-Bestellung? Soll möglichst morgen vor meiner Haustür liegen. Die Urlaubsfotos? Kann ich mir gleich ausdrucken. Und wenn die Bahn nicht pünktlich kommt … Katastrophe! Nur der Kalender lässt sich eben nicht wegrationalisieren. Acht Wochen sind eben acht Wochen, die gefüllt werden wollen, auch wenn der Sommer noch so lockt. Im Juni hat man als Lehrer zumindest noch

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