Bad Birnbacher Kulturspatz

Bandscheibenvorfall – Behandlung ohne Operation? 5 Gesundheit im ländlichen Bad Literaturtipp: „Die häufigsten orthopädischen Krankheitsbilder“ exklusiv zu beziehen über die Buchhandlung Hölzl in Bad Birnbach für 9,90 €. Es trifft einen wie aus heiterem Himmel: Man kann sich nicht mehr bücken, ein reißender Schmerz fährt in das Bein hinunter. Oft war eine unbedachte Bewegung oder das Hochheben eines schweren Gegenstandes die Ursache. Im Volksmund ist das ein typischer Hexenschuss, wobei diese Bezeichnung alles Mögliche an Störungen beinhaltet, letztlich auch vielleicht einen Bandscheiben-Vorfall. Ob es sich tatsächlich um einen eingeklemmten (komprimierten) Spinalnerv handelt, kann der Arzt durch eine differenzierte Untersuchung feststellen. Im Zweifelsfall wird ein Bandscheibenvorfall durch eine MRT-Untersuchung (Kernspin-Tomografie) nachgewiesen. Zum Glück muss nicht jeder Bandscheibenvorfall sofort operiert werden. Die häufigsten Vorfälle betreffen die beiden untersten Etagen der Lendenwirbelsäule (bezeichnet als L4/5 oder L5/S1). Als Regel gilt heute, dass im Normalfall mit geeigneten Maßnahmen versucht werden soll, die Störung zu beseitigen. Solche Maßnahmen (über 4-8 Wochen) sind Physiotherapie mit besonderen Lagerungstechniken, Dehnungsbehandlungen (Traktionstherapie), Medikamente zur Abschwellung und Entzündungshemmung und verschiedene Anwendungen der physikalischen Therapie. Der Therapeut achtet stets auf mögliche Lähmungserscheinungen des Beines, also motorische Defizite. Nehmen diese trotz Behandlung zu, ist in diesen Fällen eine Operationsnotwendigkeit abzuklären. In den letzten 3 Jahrzehnten hat sich eine Behandlung mit kortisonhaltigen Substanzen bewährt, die gezielt an die komprimierte Nervenwurzel im Spinalkanal injiziert werden. Eine solche Behandlung (peridurale Injektion) erfolgt entweder unter Röntgenkontrolle in einer Klinik oder durch einen erfahrenen Orthopäden. Alternativ kann der Orthopäde im untersten Endpunkt des Spinalkanals (in Höhe der oberen Pobackenfalte), der leicht zugänglich ist, eine Injektion ohne Röntgendurchleuchtung durchführen. Die Therapie einer solchen Kortisonbehandlung hat hierbei die Aufgabe, die in aller Regel bestehende entzündliche Reizerscheinung im Bereich der komprimierten Nervenwurzel zu beseitigen. Der Bandscheibenvorfall wird sich in den meisten Fällen danach wieder verkleinern und die Ischialgie (Ausstrahlungsschmerz des Ischias-Nervs) spontan zurückgehen. Nur wenn diese weitgehend schmerzfreie Therapie nicht zum Erfolg führt, ist letztlich eine Operation erforderlich. In jedem Fall ist die orthopädische Überwachung (mit oder ohne Therapie) nicht durch eine wohlgemeinte laienhafte Eigentherapie zu ersetzen. Vorsichtige Bewegungen im Thermalwasser sind in den meisten Fällen zu empfehlen (sowohl vor als auch nach einer Operation). Dr. Thomas Laser

RkJQdWJsaXNoZXIy MTkwNzQ=