40 Jahre – 40 Bilder
Nun war klar: Heißes Wasser ist in ausreichender Menge vorhanden. Doch was nun? Es war eine Zeit, in der im Rottal nicht nur nach Thermalwasser gesucht wurde. Auch in anderer Hinsicht ging es heiß her, wenn es um das Thema Wasser ging: Es tobte der Rot- taler Wasserkrieg. Es spielten sich Szenen ab, die man sich bis dato im beschaulichen Rottal so nicht vorstellen konnte. Es gab Demonstrationen, Straßen wurden blockiert, an vielen Stellen kochten die Emotionen über. Gebietsreform, Wasserkrieg – und nun noch eine geordnete Entwicklung auf die Reihe bekommen? Eine gewaltige Aufgabe, doch die Gründerväter behielten einen kühlen Kopf. Längst war der Zweckverband Thermalbad Birnbach damit beschäftigt, Grundstücke zu sichern, um später ein Kurgebiet ausweisen zu können. Längst hatten sich Hans Putz, Ludwig Mayer und Hanns Weber mit Planern umgeben, die nicht bloße Gewinnmaximierung, sondern eine solide, lange anhaltende Entwicklung über Generationen hinweg anstoßen sollten. Und man versuchte, aus den Fehlern im benachbarten Füssing zu lernen. Dort wurde jahrzehntelang um das Wasser prozessiert. Der Troika Putz, Mayer und Weber gelang ein in Deutschlands Bäderwelt bis heute einzigartige Kunststück. Zunächst war es die Ge- meinde Birnbach, dann der Zweckverband Thermalbad Birnbach, der die Grundstücke im gewünschten Bebauungsplan Kurgebiet kaufte und damit das wichtigste Steuerungsele- ment in den Händen hielt. Schon früh fiel die Entscheidung gegen eine Entwicklung auf der „grünen Wiese“. Vielmehr sollte der historisch gewachsene Ort weiterentwickelt werden. Es war eine Zeit des Aufbruchs. 1976 wurde mit dem Bau des Neuen Marktplatzes be- gonnen, 1977 mit dem Kurpark und dem Bebauungsplan Gewerbegebiet und schließlich folgte von 1979 bis 1984 das Sport- und Freizeitgelände. Die städtebaulichen Leitlinien stellte Prof. Ing. Helmut Gebhard vom Münchner Institut für ländliches Bauwesen an der Technischen Universität auf. Prof. Günther Grzimek, bedeutender Gestalter rund um die Olympischen Spiele 1972 in München und Weggefährte des genialen Gestalters Otl Aicher, sorgte für den Grünordnungsplan. Dr. Boventer war für den betriebswirt- schaftlichen Teil verantwortlich und beleuchtete auch die Chancen von Hotellerie und Gastronomie. Wichtiger Grundsatz war, von jedem Punkt aus mit nur wenigen Schritten die Natur zu erreichen. In diese Natur wurde auch die Rottal Terme eingebettet. Was vielen anfangs als „Schreibfehler“ auffiel, war Teil der Philosophie. Bewusst hatte man die italienische Schreibweise im Eigennamen gewählt, also die „Terme“ ohne „h“. Der beginnende Süden soll damit symbolisiert werden, aber auch die damit verbundene Hei- terkeit und die Verbundenheit mit der Natur, mit dem Rottaler Hügelland, das sich sanft um die Auen der Rott schmiegt. „Gesundheit und Erholung im ländlichen Bad“ lautete die Kernaussage, die bis heute gilt. EIN BAD? NEIN, EIN LÄNDLICHES BAD! 1973 - 1976 9
RkJQdWJsaXNoZXIy MTkwNzQ=